Schlussbetrachtung

Die Analysen der einzelnen Bearbeiter/innen haben u.a. gezeigt, auf welche Art und Weise Thomas Körner in diesem Teil des Fragmentromans „Das Land aller Übel“ einen Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte leistet. Immer wieder kommt in den einzelnen Teilen des Fragments vom Wort zum Vorschein, wie Propaganda und Ideologisierung wesentlicher Bestandteil des öffentlichen Sprachgebrauchs in der DDR waren.

Bei näherer Betrachtung von einigen Teilen von Körners Fragment vom Wort kann man wohl sagen, dass Körner die DDR als Sprachanstalt durchaus treffend und erfolgreich aufs Korn genommen hat. Allerdings erfordern Körners Texte von den Lesern einiges an Interpretationsarbeit. Eine gewisse Breite des Gedankenspektrums der Bearbeiter/innen hat vielleicht ein bisschen dazu beigetragen, dass diese bei z.T. sehr unterschiedlichen Vorgehensweisen z.T. ziemlich unterschiedliche Dinge herausgefunden haben.

Allerdings haben die Beiträger und Beiträgerinnen von den 50 Teilen des Fragments vom Wort nur einige analysiert und kommentiert. Doch selbst in den Teilen des Fragments vom Wort, die analysiert und kommentiert wurden, könnten durchaus noch weitere verborgene, aber entdeckens- und erwähnenswerte Aspekte schlummern. Insofern ist die ganze Deutungsarbeit vielleicht ein wenig fragmentarisch geblieben. Sozusagen also eine fragmentarische Analyse eines Fragmentromans... Diese Tatsache der Unvollständigkeit lädt aber gleichzeitig auch dazu ein, zu einem späteren Zeitpunkt in irgendeiner Form fortzufahren.

Körners Werk ist eindeutig auf die DDR bezogen. Jedoch gab und gibt es immer noch Diktaturen, welche u.a. zur Herrschaftssicherung sich eines ähnlichen öffentlichen Sprachgebrauchs bedienen, wie dies in der DDR der Fall war. Vielleicht könnte ein durch Körners Kritik am öffentlichen Sprachgebrauch in der DDR geschärfter Blick später in irgendeiner Form diese Analyse-, Interpretations- und Kritikfähigkeit auch an anderer Stelle einmal anwenden.

(Paul-Gerhard Schwidurski)