Fragment vom Wort / 14 SENDEZEITEN

Das Fernsehprogramm des Fernsehen der DDR - bzw. des DFF (Deutscher Fernsehfunk) - war staatlich überwacht. Nach den Ereignissen des 17.6.53 und der Ausstrahlung derer, wurde der Intendant entlassen und die Partei gab strikt vor, was gesendet wird. Das Farbfernsehen wurde erst spät eingeführt, lange hatten die Bewohner der DDR nur schwarz-weiß Fernseher. Jedoch wurden die Farbfernseher mit einer anderen Bildtechnik produziert als in Westdeutschland gesendet wurde, ein Empfang des Westfernsehens in Farbe war somit nicht möglich. Unendliche Wiederholungen des Vorabend-Programmes am Vormittag wurde für Spätarbeiter gesendet, um auch sie politisch zu erreichen. Nach Sendeschluss wurde lediglich das Testbild gesendet.

Das Fernsehprogramm der DDR sowohl in seiner semiotischen Abfolge als auch in der Praxis war trist, farblos und monoton, ein Spiegel des Alltages in der Republik. Monochronie der Sendungen bedeutet eine lineare Abfolge, es kann pro Zeit nur eine Sendung gesendet werden, es existiert keine weitere daneben. Das Westfernsehen könnte hiermit gemeint sein, aber auch das Leben außerhalb der DDR, im Kapitalismus, ist eigentlich nicht existent. Wie die Sendezeiten des Fernsehen der DDR, mit einem klaren Beginn und deutlichen Ende, sowie einem nächtlichen Sendeschluss und dem obligatorischen Testbild, läuft der Alltag in der DDR ab. Überlappungen oder parallele Instanzen gibt es nicht. Andere Programme, Sender und im übertragenen Sinne „Alltage“ sind nicht denkbar.

(Catharina Stettin)