Grafik zum kommentarlosen Realismus

 

Körner benutzt sehr oft die eigene Wortschöpfung vom “kommentarlosen Realismus“ und definiert bzw. formuliert zum Beispiel im Fragment vom Buch Ersten Kasten auf Karte (0181)

der kommentarlose realismus ( klr ) / ist das gegenteil des barbarocken kabarettismus / er ist ein materialismus / eine sublime art volkskunst / ein subrealismus / der die dinge sieht / wie sie sich sehen ( odradek ) / die realität verhält sich zu sich selbst / wie der kommentarlose realismus zu ihr.

Der Autor entwickelt eine Graphik, bei der die Eckpunkte einer Pyramide die Struktur darstellen, zu sehen auf Karteikarte (0182): Die Struktur des kommentarlosen realismus ( klr ) wird determiniert durch das Universum von oben, Eros von unten, die Poesie darin und der Tod dahinter ( Graphik einer Dreiecksstruktur).

Im Gegensatz dazu steht der barbarocke Kabarettismus:

 

Grafik des barbarocken Kabarettismus

 

Die Struktur des barbarocken Kabarettismus ( brk ) beinhaltet die Show oben, den Sex unten, das Leben darin und die Politik dahinter, praktisch den Barbaren, einen der Landessprache unkundigen Stammler, der schmuckvoll üppig „nichtsweiter“ plappert.

In ihrem Aufsatz „Die Kästen des Herrn K. – (K)eine Handreichung zu Thomas Körners Fragment vom Buch“ schreibt Gabi Rüth zur Deutung dieser beiden Begriffe:

Es existiert ein Erzähler, ein Ich-Erzähler, aber nur im weitesten Sinn. Auch er fungiert nicht auf tradierte Weise.[…]statt eines fassbaren Erzählers (das Körnersche Ich ist trügerisch) [gibt es] zwei post-Erzähler-Instanzen[,die] die Fäden in der Hand halten: der ‘kommentarlose Realist’ und der ‘barbarocke Kabarettist’.

Körner sieht die beiden als die zwei Seiten in ihm, „die ihn machen“.

Ulrich Schödlbauer hat diese beiden Instanzen in seinem Vortrag "Poetik des Exzesses" an der FernUniversität im Sommer 2012 ebenfalls untersucht und spricht darin in Bezug auf den ‘barbarocken Kabarettismus’ von einem „kabarettistischen Verfahren mit norm-unterlaufender Tendenz (der Elefant im Porzellanladen!)“, wobei der ‘kommentarlose Realismus’ dessen Kehrseite – sprich die Verwendung, nicht das Unterlaufen, von Materialien und Textbausteinen aus der Realzone, sei.

Eine weitere Definition gibt Körner selbst im Fragment vom Buch Erster Kasten Karte(0555):

die wirklichkeit möglichst frei von allen / kommentierenden beimengungen zu erfassen / wenn realismus eine methode / der wirklichkeitserfassung ist / den riss der durch die welt geht / das ontische loch  der der grund dafür ist / daß sie in die welt muß  zu zu kleistern / gar mit kommentaren  ist nicht sache der / poesie / die lücke ist es die es zu artikulieren gilt / schon darum heißt kommentarlos nicht/ sprachlos.

Und er fügt noch hinzu:

k l r / ist insofern / ein anti-ideologisches programm / als praktisch alle / kommentierenden beimengungen / ideologisch sind / die ideologie / ist der kommentar.