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Körner setzt die Sprache systematisiert ein, wie er es selbst beschreibt im Fragment vom Buch Erster Kasten (0148):

systematisierter einsatz/ aller zur verfügung stehenden sprachmittel /

darstellung der wirklichkeit / durch sprache / darstellende poesie /

wortinszenierung / wörter in rollen / szenische prosa / schaltbilder /

formulare essays /prosa der veraenderung.

Auch die Strukturen seines Sprachverständisses erläutert er eingehend: z.B. das vertikale Ensemblieren:

s-p-o-th-pr-r/bwz Die Karteikarten sind nach den Dingen, also dem Objekt, alfabetisch geordnet:das subjekt s wirkt durch ein Prädikat p auf das Objekt o ein, das Subjekt, also ich, denkt darüber nach (th = theorie) das subjekt Ich verhält sich zum objekt praktisch (pr=praktisch) das objekt und das subjekt verändern sich dadurch (r=resultat) zum bwz=Bewußtseinszustand.

Die Funktionen des horizontalen Ensemblierens erläutert er im Fragment vom Buch Erster Kasten auf den Karten (0103) bis (0109).

Der Autor entwickelt seine eigene Poetik mit den Komponenten Lesen, Schreiben, Buch, Sprache, Dichter. Im Fragment vom Buch Erster Kasten beschreibt er das Konzept seines theoretischen Prosaprogramms, das hier tabellarisch zusammen- fassend dargestellt wird. Im Jahrbuch für europäische Prozesse IABLIS hat Körner dieses Programm in seinem Essay I.C.H. oder Das Große Verzeichnis der Geheimnisse detailliert beschrieben:

Frage nach Lesen--> wortwärts- räumliches Sprachzeichenensemble

Frage nach Schreiben --> sprachwärts - theoretische Literatur

Frage nach dem Buch--> denkwärts- Ensemble gesellschaftlicher Verhältnisse

Frage nach dem Dichter--> schweigt- sich eine Kultur ohne Dichter vorstellen reicht

In Bezug auf den Leser und das Lesen nennt Körner das Ensemblieren. Er erwartet vom Leser eine Sinnsuche bzw. Zusammenhangsuche als aktive Tätigkeit. Der Leser werde zum Protagonist, sein Lesen werde szenisch.

Der Autor erklärt das an dem Beispiel „deraltemann“ als additiv-lineare Reihe. Der Leser erkennt durch seine Erfahrung und sein Wissen, dass gemeint ist: „der alte Mann“, d.h. er setzt Lücken, Begrenzungen, Hervorhebungen selbst. Körner führt noch Unterbrechungen und Wiederholungen als Aspekte auf.

Körner weist darauf hin, dass beim Schreiben/Lesen das Benutzen von Sprachzeichen sehr bewusst erfolgt: z.B. eine Lücke zwischen Zeichen begrenzt Worte (der alte mann), eine Lücke zwischen Zeilen begrenzt Sätze etc. Nach Körner führt die „richtige“ Setzung zu geometrischen oder anderen optischen Figuren.

Es geht ihm darum, „das Buch von einem Museum der Sprache zu einem lebendigen gesellschaftlichen Verhältnis zu machen“.

Probleme beim integrierten Lesebild benennt er selbst: Zu viele Wörter sind aneinander gereiht, z.B. ganze Sätze wie im Fragment vom Plan. Der Leser nimmt eine selbständige Zergliederung vor, dies macht sein Gehirn aktiv. Dabei sind hörbare Aspekte wie Pausen, Tempi, Lautstärke, Klänge nicht ausdrückbar durch Schrift.

Der Autor benennt Probleme der Seh- und Lesbarkeit: Es ergeben sich Sprach- und Sinnverstümmelung, Lücken, Interpunktion, Groß-/Kleinschreibung.

Das optische Bild der Kolumne wird zum integrierten Lesebild und beim Leser automatisch, im Sinne eines Formenkanons, als Einkaufszettel erkannt, wenn Lebensmittel aufgeführt sind, oder als Rezept, wenn zusätzlich Maßeinheiten enthalten sind. Letztlich hat der Text etwas bildendes, wird zum Gebilde.

Körner erläutert den Begriff Ensemblieren am Beispiel der Kommentierung eines Fußballspiels: Der Kommentator zerlegt ein Spiel in Handgriffe und Arbeitseinheiten.Nach dem Spiel wird es schrittweise wieder zusammengesetzt.Körner formuliert weiter, dass der Übergang vom Text über das Gebilde eines räumlichen Sprachzeichen-Ensembles in das Buch münde, „ in gewissem sinn ist ja das alte buch  wenn es durchsichtig ist schon ein ensemble von sprachzeichen in einem raum buch ist raum“.

Man könne aber auch gleich den elektronischen Raum des Fernsehbildschirms als „Vorform des Buches“ betrachten, „druck und speicherung und vertrieb sähen sofort anders aus ebenso der konsum der bücher! bücher gesendet! ein videogutenberg gesucht der die buchsendekunst erfindet.“

Er beschreibt seine Denkweise so: Die Vor- und Rückseite eines Blattes sind zwei Ebenen, z.B. die Erzählung auf der Vorderseite, die Erläuterungen auf derRückseite, oder Ebene 1 vorn, Ebene 2 auf der Rückseite, Karteikarten sind wie ein ungebundenes Buch, z.B. 15 Seiten mit Sprachzeichen, die der Leser selbständig in eine Reihenfolge bringen kann. Körner übersetzt das Umblättern als Augensprung (von Zeile zu Zeile), was einen Ortswechsel oder einen Szenenwechsel bedeuten kann.