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Nichtsweiter ein Puppentanz von Thomas Körner

 

Ein wesentliches Stilmittel von Körner ist die szenische Prosa, die er im Fragment vom Wort einsetzt, nämlich in Form einer Vorstellung in der komischen Oper Behrenstraße„nichtsweiter ein puppentanz“. Es wird ein Theaterstück aufgeführt, das dem Alltagsleben eines DDR-Bürgers entspricht, das hier mit einem Puppentanz verglichen wird.

Mit dem Begriff „Menschenmaschine“ ist der ZK-Parteiapparat gemeint, der ja einen homo novus sozialistischer Prägung, einen neuen Menschen aufbauen will, was u.a. in der Schule, in den Jugend-Institutionen wie FDJ und Pioniere, dann auch im Studien- und Arbeitsleben vorangetrieben wird, das Buch der zwei Seiten ist das Parteibuch, es gibt nur dieses, darin steht der neu zu schaffende Mensch im Mittelpunkt, wie es auch in den 10 Geboten für den neuen sozialistischen Menschen formuliert ist. 

Die DDR-Bürger tragen ihre Ideale im Jahresfeier-Aufmarsch auf Spruchbändern und Transparenten vor sich her. Es läuten währenddessen die „Glocken des homozentrischen Zeitalters“. Es gibt nur diesen Mittelpunkt, in dem geschlossenen System der DDR, die Körner auch als Vakuole bezeichnet. Der jugendliche „pionier verirrt [sich] im Müll der Weltanschauung“, die vorgeschriebene“ ideologie mütterlich nährt ihn aus roter und schwarzer brust“, er hat sich nach ihr zu richten.

Die „klasse die herrscht“ definiert sich über die Arbeit und schon in der Grundschule lernt das DDR-Kind von „der arbeit die sie befreit“. Diese arbeitende Klasse „baut den müll der weltanschauung auf zum staat“, der sie alle sind. Und die „automaten der bürokratie“, also die SED-Politiker, produzieren aus diesem Staat ihre Macht.

Der Demokratische Zentralismus ist ein von Lenin für die Kommunistische Partei entwickeltes Organisations- und Führungsprinzip, unter Stalin kam es noch zu einer Verschärfung. Dieses Prinzip galt als verbindlich für jeden DDR-Bürger. Die Folgen waren, dass die Wählbarkeit der Leitungen nur auf dem Papier stand, die Entscheidungen erfolgten von oben nach unten und waren für die unteren bindend, d.h. die Parteidisziplin stand an oberster Stelle. Daraus entwickelte sich ein autoritärer Zentralismus. In der DDR wurde das Prinzip umbenannt in den Begriff vom „real existierenden Sozialismus“.

Körner formuliert szenisch weiter: „Ein denkmalssockel wird frei“, und meint vielleicht damit die Zeit, als Stalin stirbt und seine Horrortaten bekannt werden. Mit der Formulierung „denkmal der arbeit mit heraushängender zunge“ deutet er an, dass der DDR-Genosse sich seine Position hart erarbeiten musste, mit hohen Produktionssteigerungsquoten nach Vorgaben des Fünfjahresplans, aber die „nationale front demonstriert ihm“, wie man es zu machen hat, die Menschen machen sich gegenseitig etwas vor. Da passiert es: „der Sockel fällt ein“. Dem arbeitenden Menschen wird der Boden unter den Füßen weggezogen. In diesem Tenor geht das Theaterstück fort, bis der Kopf durch das Fallbeil fällt. Das Stück endet mit den Worten: „Zukunft wir büßen Dich – weiter nichts“.

Übrigens werden einige Szenen dieses Puppentanzes nochmals literarisch leicht abgewandelt verwendet im Lesespiel von der Hausgemeinschaft.