Agitation und Propaganda

 

Verwendung im Fragment vom Wort

 

Masse, Kampf, Auftrag, Größe, Macht

Massenkampfveranstaltung

 

Sprache in der DDR wurde instrumentalisiert für Agitation und Propaganda, umgangssprachlich abgekürzt mit Agitprop. Für beide Vorgehensweisen ist die Sprache Mittel zum Zweck, nämlich Menschen mental zu beeinflussen und zu Aktionen zu bewegen. Die DDR-Regierung nutzte diese Methoden, um die Lehre des Marxismus/Leninismus zu verbreiten und Einfluss auf die politische Willensbildung ihrer Bürger zu nehmen.

In der Enzyklopädie der DDR steht unter dem Stichwort Agitation und Propaganda:

»Das Grundanliegen von Agitation und Propaganda der Partei ist es, die Arbeiterklasse und alle Werktätigen mit den revolutionären Ideen des Marxismus-Leninismus auszurüsten, ihnen die erfolgreiche Verwirklichung unserer Ideen in der Welt vor Augen zu führen, sie im Geiste der kommunistischen Ideale zu standhaften und streitbaren Kämpfern zu erziehen, sie zur Erfüllung der Parteibeschlüsse zu mobilisieren und sie noch besser zum Kampf gegen die Politik und Ideologie des Imperialismus zu befähigen.« (Beschluß des Politbüros des ZK der SED vom 7.11.1972 über die Aufgaben der Agitation und Propaganda bei der weiteren Verwirklichung der Beschlüsse des VIII. Parteitages) Zur Indoktrinierungsfunktion tritt die Abschirmungsfunktion: »Agitation und Propaganda haben die Aufgabe, den Antikommunismus, dieses politisch-ideologische Hauptinstrument der imperialistischen Bourgeoisie, den bürgerlichen Nationalismus, den Sozialdemokratismus, den Revisionismus und den 'linken' Opportunismus mit unseren überlegenen geistigen Waffen aus dem Felde zu schlagen. Die Einheit und Reinheit des Marxismus-Leninismus ist gegen alle Angriffe konsequent zu verteidigen.«

Es wurde eigens eine Agitationskommission des ZK der SED eingerichtet, die Losungen und Wettbewerbsaufrufe ausgab, politische Reden verfasste und Zitate der vier wichtigsten Theoretiker Marx, Engels, Lenin und Stalin für häufigen Gebrauch in den Medien empfahl. Mit der Wortschöpfung “agitpop“ statt, wie zu erwarten gewesen wäre, “agitprop“ weist Körner den Leser darauf hin, dass er die Sprache, die in die Anstalt gepresst war, aufbrechen will. Er will entsprachlichen.

Körner entlarvt diesen Ideologiejargon, die Sprache des Agitprop, durch experimentelle Dekonstruktion und die Präsentation in den neuen Medien. Er experimentiert u.a. mit lyrischen Mitteln der Pop-Art: z.B. nimmt er die Begriffe Macht, Kampf, Größe, Veranstaltung, die durch Kombination zu Wortschöpfungen wie Kampfgrößenveranstaltung, Veranstaltungsmachtkampf etc. mutieren.


Die Tafel „Agitpop" mit dem handschriftlichen Vermerk 1968 zeigt deutlich die Anspielung Körners auf die Protesthaltung der 68-er Generation.

 

Masse, Kampf, Auftrag, Größe, Macht